Heinz Specker am Spieltisch der Kuhn-Orgel in der Kirche St. Anton, umringt von interessierten Orgelfreunden.
Foto: hpv

Orgel erleben

Unsere diesjährige Orgelfahrt führte nach Zürich zu fünf ganz verschie-denen Instrumenen, die von Tobias Willi und Heinz Specker kenntnisreich erläutert und variantenreich gespielt wurden. Ein Erlebnis, das wir mit Fotos gern noch einmal in Erinnerung rufen. Das nächste Erlebnis wartet schon: Am 20. November spielt Imelda Natter in der Linsebühlkirche St.Gallen ein "Allegrevento". Das Programm ist eine Kombination aus Wort- und Orgelspiel, eigens zusammengestellt für die Orgelfreunde. Mehr zu diesem besonderen Event lesen Sie im vorliegenden Bulletin.

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Liebe Orgelfreundinnen und Orgelfreunde
Ich weiss nicht, wie es Ihnen ergangen ist, aber ich wurde ein absoluter Fan. Ein Fan der wundervoll klingenden Kegellade-Orgel in der Kunst-KlangKirche Egg, eine unserer drei Stationen auf der Orgelfahrt 2017 nach Zürich. Über 60 Personen reisten mit und verfolgten an diesen drei Standorten die spannenden und musikalisch interessanten Beiträge. Aber auch die zwischen den Veranstaltungen vorhandenen Begegnungs-möglichkeiten trugen dazu bei, dass die Orgelfahrt 2017 – wie mir von verschiedenster Seite bestätigt wurde – zu einem äusserst erlebnis-reichen Tag wurde. Gerne lasse ich Sie mittels einer kleinen Bildreportage ein wenig in Erinnerungen schwelgen.

Das Vereinsjahr geht in sein letztes Quartal, und ich darf Sie herzlich zum "Allegrevento" mit Imelda Natter am Montag, 20. November, 19.30 Uhr in die Linsebühl-Kirche einladen. Imelda Natter wird uns für einen Abend mit Worten und Musik zu verzaubern wissen. Gäste sind wie immer selbstverständlich herzlich willkommen.

Eine Woche vorher, am Montag, 13. November 2017, findet im Palace (Blumenbergplatz, St.Gallen) die Preisverleihung der Anerkennungs-und Förderungspreise der Stadt St.Gallen statt. Unserem Vize-präsidenten Bernhard Ruchti wird dabei ein Förderungspreis übergeben für sein Engagement als Konzertmusiker, Konzertveranstalter und Komponist. "Was er als Organisator anpackte, wurde jeweils in kurzer Zeit zu einer beim Publikum beliebten Veranstaltungsreihe", schreibt die Stadt in ihrer Begründung. Die Preisverleihung ist öffentlich, Beginn ist um 18.00 Uhr (bitte beachten: nicht 18.30 Uhr, wie verschiedentlich kommuniziert wurde!)

In der ersten Novemberhälfte wird ausserdem Bernhard Ruchtis neue CD erscheinen. Sie enthält nebst Liszts Introïtus von 1884 ein Orgelwerk (Triptychon) und drei Klavierwerke aus der Feder von Bernhard Ruchti. Aufgenommen wurden die Orgelwerke in der Kirche St. Laurenzen. Die CD wird auf www.bernhardruchti.com, beim "Notenpunkt" sowie in der Kirche St. Laurenzen erhältlich sein.

Schlussendlich kann ich Ihnen bereits jetzt das Datum unserer Jahres-versammlung bekanntgeben: Am Dienstag, 6. März 2018, lassen wir uns um 19.00 Uhr durch die Klänge der Felsberg-Orgel in St. Mangen mit einem kurzen "Orgel-Hors d’oeuvre" auf den Abend einstimmen. Um 19.30 Uhr beginnt im Saal des Kirchgemeindezentrums die Jahresversammlung. Es wäre schön, wenn wir den Abend wiederum mit einem gemütlichen Apéro beschliessen könnten. Im vergangenen Jahr organi-sierten diesen liebenswürdigerweise Lieselotte Grädel, Ursula Nüesch und Johanna Ulrich. Gibt es vielleicht auch dieses Jahr einige gute Seelen, welche die Organisation des Apéros übernehmen würden? Gerne möchte ich allfällige «gute Feen» bitten, sich bei mir zu melden.

Ich freue mich darauf, Sie am 20. November in der Linsebühlkirche begrüssen zu dürfen. Und vielleicht treffe ich den einen oder die andere bereits am 13.11. im Palace?

Auf jeden Fall wünsche ich Ihnen allen schöne Herbsttage und eine besinnliche und friedliche Weihnachtszeit!

Hans Peter Völkle 
Präsident OFSG


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Orgelfahrt von 2. September nach Zürich

Tobias Willi stellt die neue Goll-Orgel der ZHdK vor: Sie steht im schwarz gestalteten Orgelsaal, der wiederum Teil der ehemaligen Toni-Joghurtfabrik ist.
















Mit seinem brillanten Improvisationsspiel wusste
Tobias Willi die Zuhörerinnen und Zuhörer zu begeistern
.




Typisch Orgel-freunde: Sobald sich die Möglichkeit ergibt, wird das Instrument von der Nähe begutachtet, sei es in der ZHdK, ...








... in der Kirche St.Anton ...






... oder in der KunstKlangKirche Egg!

(Fotos: hpv)











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Die Dynamik des Orgelwinds 

"Allegrevento" nennt Imelda Natter ihre Programme aus Sprach- und Orgelspiel, die sie für jedes Publikum speziell zusammenstellt. Für den Anlass der Orgelfreunde am 20. November hat sie eine Gedichtzeile als Thema gewählt: "Mensch, weisst du wirklich, was du bist?" 

Eva Bachmann 


Imelda Natter
Die Idee zu Allegrevento wurde aus der Not geboren: Imelda Natter sollte 1998 im Rahmenprogramm eines Ärztekongresses eine Orgelführung in Oberegg machen. Ins kalte Wasser geworfen, stellte sie sich Fragen wie: Was interessiert diese Menschen? Womit beschäftigen sie sich normalerweise? Wie kann ich die Medizin so mit der Orgel in Verbindung bringen, dass sie eine neue, bestenfalls berührende Erfah-rung machen? Ihre Lösung war eine Mischung aus Texten, die ihre Zu-hörerinnen und Zuhörer in ihrer Lebenswelt abholen, und passender Orgelmusik, die Raum gibt zum Hören, Eintauchen, Nachdenken. 

Massgeschneiderte Programme

Inzwischen hat Imelda Natter insgesamt 54 Allegrevento-Programme zusammengestellt: für Feuerwehrmänner und Physiotherapeutinnen, für Jahrgängertreffen und Geschäftsessen, zu Geburtstagen und Ausflügen. Jedes Allegrevento ist anders: "Ich mache nur massgeschneiderte Anzüge", sagt sie. "Beim Vorbereiten habe ich so viele Ideen, ich komme vom Hundertsten ins Tausendste – und bin selber ganz fasziniert davon, was entsteht." Eines aber bleibt sich gleich: Ausgangspunkt ist immer der Mensch.

Zum Beispiel der Feuerwehrmann. Er ist immer in Bereitschaft und rennt sofort los, wenn er gebraucht wird. Aber die meiste Zeit wartet er. "Merken wir, was ist, wenn nichts passiert?", fragt sie – macht aus diesem Gedanken einen Programmpunkt mit etwas Text und sucht dazu ein Musik-stück, das sie in eine Beziehung setzen kann. Jedes Allegrevento ist auch für sie selbst ein Erlebnis; unvergessen bleibt die Stunde, die sie mit den 60 Feuerwehrmännern im Chorraum der Kathedrale verbracht hat.

Orgel bewegt

Allegrevento erklingt immer wieder auf einer anderen Orgel und an einem anderen Ort. Alles ganz beweglich. "Orgel bewegt" könnte denn auch als Motto von Imelda Natters Idee gelten. Sie meint das zunächst rein physikalisch: Der Orgelwind hat eine Dynamik, die Bewegung in die Kirche bringt. Es ist ihr wichtig, Kirche nicht als statischen Bau aus Stein zu verstehen, sondern als Raum, der Menschen und ihre Geschichten aufnimmt. Jeder soll darin und davon leben können. "Kirche ist da, wo die Welt nicht mehr genügt": Das Dichterwort spricht ihr aus dem Herzen. "Orgel bewegt" bedeutet auch Leidenschaft für die Musik, das Instrument. Die Orgel kann den Raum erfüllen, mit ihren vielen Klangfarben unter-schiedliche Stimmungen hervorrufen und so die Zuhörenden ansprechen. Die Orgel ist lebendig und kann ans Lebendige gehen.

Neues gestalten

"Ich spiele zufällig Orgel", sagt Imelda Natter etwas kokett. Sie ist in einem abgelegenen Dorf im Bregenzerwald aufgewachsen, Musikunter-richt war nicht selbstverständlich. Mit fünf Jahren wurde sie in die Klavier-stunde geschickt, später mehr als 40 Kilometer weit zur Orgelstunde. Organistin zu werden war kein geheimer Mädchentraum, es hat sich ergeben. Natter spricht von "Entscheidungen am Weg", die einen irgend-wohin führen. Sie hält es immer noch so, sie mag diese Punkte im Leben, an denen man innehält, nachdenkt und sich für etwas entscheidet. Weil darin die Möglichkeit enthalten ist, Neues zu gestalten.

Imelda Natter ist Organistin in St.Gallen Centrum und Klavierlehrerin in Gossau. St.Gallen mit seinen vielfältigen Orgeln sei ein guter Ort für die verschiedenen "Organistenhandschriften", meint sie. Allegrevento ist ein eigenwilliger Beitrag zu dieser lebendigen Orgellandschaft. Das Pro-gramm für die Orgelfreunde wird das 55. sein. Und sollten Sie jetzt noch keine Vorstellung davon haben, was Sie erwartet, dann ist das ganz im Sinne der Erfinderin, "denn Vor-stellung verstellt – den Zugang, der am schönsten wird, wenn Sie keine fixe Vorstellung von Allegrevento haben".

Allegrevento mit Imelda Natter: Montag, 20. November, 19.30 Uhr, Linsebühlkirche, St.Gallen

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Impressum 

St. Galler Orgelfreunde:     www.ofsg.org

Redaktionskommission:    Eva Bachmann, Bernhard Ruchti, Hans Peter Völkle

Sekretariat:                        Eva Bachmann, Magnihalden 8, 9000 St.Gallen sekretariat@ofsg.org, 071 244 87 13 

Für den Inhalt der Texte sind die jeweiligen Autoren verantwortlich.

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St. Galler Orgelfreunde OFSG Bulletin OFSG 35, Nr. 4, 2017