Foto: Christoph Hurni
25 Jahre Restaurierung der Goll/Kuhn-Orgel
in der Linsebühlkirche St.Gallen


Rückblick und Würdigung

Als Anfang der 1990er Jahre der Entschluss zur Restaurierung der Linsebühl- Orgel gefasst wurde, war die Erhaltung eines derartigen Instrumentes noch keineswegs eine Selbstverständlichkeit. Das Ideal der neobarocken Orgel dominierte die Orgellandschaft, und Instrumente aus der Zeit des romantisch-sinfonischen Orgelbaus hatten einen schweren Stand, ja standen oftmals auf verlorenem Posten, wenn es um die Frage von Erhaltung versus Neubau ging.

Auch innerhalb der Kirchgemeinde St.Gallen Centrum herrschte zunächst die Meinung, es müsse im Rahmen der damaligen Gesamtrenovation der Linsebühlkirche auch eine neue, dem Zeitgeschmack mehr entsprechende Orgel gebaut werden. Jürg Brunner, zu der Zeit Organist an der Linsebühlkirche, sah dies anders. "Es war mir wichtig, im Linsebühl nicht die selben Fehler zu wiederholen, die in St.Gallen beispielsweise in der Kathedrale oder in der
St. Laurenzenkirche gemacht wurden, wo wertvolle Instrumente zugunsten von Neubauten hinausgeworfen wurden", erinnert er sich heute.

Jürg Brunner erkannte die Qualität und den Wert des Instrumentes in der Linsebühlkirche und schlug der Kirchgemeinde vor, dieses von Fachleuten restaurieren zu lassen. Da die 1897 von Goll gebaute Orgel in den 1930er-Jahren bereits umgebaut worden war und diese Umbauten auch Teil der Geschichte und Identität der Orgel waren, plante Brunner, das Instrument nicht vollständig auf seinen Urzustand zurückzurestaurieren, sondern einige der Änderungen der 30er-Jahre beizubehalten, die sich als harmonisch und passend zur Gesamtästhetik der Orgel erwiesen.

Dieser Vorschlag leuchtete allgemein ein und war auch von einem finanziellen Standpunkt für die Kirchgemeinde interessant. "Widerstand gab es keinen, auch aus Organistenkreisen nicht", so Brunner.

Als Orgelbaufirma für die Restaurierung wurde Kuhn aus Männedorf ausgewählt, die das nötige Know-How im Umgang mit historischen Instrumenten und insbesondere dem pneumatischen Traktursystem hatte.

Die Reaktionen auf die ausgeführte Restaurierung waren durchwegs positiv. "Es sprach sich sehr schnell herum, dass in St.Gallen ein ausser gewöhnliches romantisches Instrument restauriert worden sei. Alle waren begeistert vom Klang der Orgel, und das Echo war sehr, sehr gut", meint Jürg Brunner heute.

Die Restaurierung der Linsebühlorgel war – mit anderen, ähnlichen Instrumenten in der Schweiz – massgebend für die zunehmende neue Wertschätzung gegenüber Orgeln aus dem sinfonischen Orgelbau, die bis heute anhält. Neben Denkmalorgeln aus der Barockzeit, die schon viel früher eine Bewahrung und Wiederbelebung erfahren hatten, sind es nun auch Instrumente wie die Linsebühlorgel, die als Zeugen der Zeit und Spitzenwerke der Orgelbaukunst den Reichtum des Orgelbaus bis heute dokumentieren.
Bernhard Ruchti

Am 13. Juni steht Robert Schumann für einmal als Komponist für die Orgel im Mittelpunkt: Bernhard Ruchti erläutert und spielt die sechs Fugen über den Namen BACH Opus 60 an der Linsebühl-Orgel in St.Gallen.

Liebe Orgelfreundinnen und Orgelfreunde

Haben Sie auch noch immer den Klang der Schalmei im Ohr? Sonst heutzutage eher als Orgelregister anzutreffen, wurde das klanglich sehr präsente Instrument bei unserem ersten Anlass am 26. April 2017 im Ackerhus kunstvoll durch Markus Meier zum Klingen gebracht. Und die von Heidi Bollhalder gespielte Hausorgel (Melchior Grob, 1793) mischte sich wohlklingend sowohl mit der Schalmei als auch mit der ebenfalls von Markus Meier gespielten Blockflöte.

Über 40 Personen fanden trotz des garstigen Wetters den Weg nach Ebnat-Kappel in den sowohl akustisch als auch architektonisch interessanten Kulturraum im Ackerhus und erlebten einen überaus spannenden und schönen, im Programm abgerundeten Abend. Während uns Jost Kirchgraber aufzeigte, weshalb die Hausorgeln im Toggenburg zu grosser Bedeutung gelangten, führte uns Markus Meier in seinen Ausführungen näher an die beiden im Raum stehenden Instrumente heran und wies auf interessante Parallelen zu bestehenden Orgeln in anderen Landesgegenden hin. Heidi Bollhalder letztendlich brachte uns die Klangwelt der beiden Hausorgeln (M. Grob, 1793, und Heinrich Ammann, 1807) näher und wusste diese mit zahlreichen Beispielen zu demonstrieren.

Die beiden Musiker eröffneten mit Schalmei und Orgel den Abend und gaben auf sympathische Art und Weise den einzelnen Referaten einen musikalischen Rahmen. In derselben Besetzung setzten sie den musikalischen Schlusspunkt. Der Abend klang danach bei einem gemütlichen Umtrunk im Erdgeschoss des wunderschönen Museums aus.

Ein ganz anders gelagerter Anlass erwartet uns Mitte Juni. Ich freue mich sehr, Sie auf
Dienstag, 13. Juni 2017, 19.30 Uhr in die Linsebühlkirche, St.Gallen, einzuladen:

Robert Schumanns grosse Hommage
an Johann Sebastian Bach
Bernhard Ruchti wird uns an diesem Abend an Robert Schumanns sechs    B-A-C-H-Fugen heranführen. Bitte lesen Sie dazu den vorbereitenden Artikel von Bernhard Ruchti.

Die Orgel der Linsebühl-Kirche feiert dieses Jahr ein Jubiläum. Eigentlich aber sind es deren zwei: Die Orgel besteht seit nunmehr 120 Jahren und die grosse, durch Jürg Brunner initiierte Revision liegt genau 25 Jahre zurück. Aus diesem Anlass finden Sie nachstehend einige Informationen, verfasst von Bernhard Ruchti. Und aus Imelda Natters Feder stammt der Bericht über das am 25. März 2017 gefeierte Orgeljubiläum.
Ich wünsche Ihnen eine schöne Sommerzeit und freue mich darauf, Sie an einem unserer Anlässe begrüssen zu dürfen!

Hans Peter Völkle
Präsident OFSG