Die Orgel in der evangelischen Kirche Amriswil.
Zu Passacaglia und Chaconne nach Amriswil

Das Konzert, zu dem wir Sie am 30. Oktober einladen, ist einer musikalischen Gattung gewidmet: Passacaglia und Chaconne. Der Grossmünster-Organist Andreas Jost spielt Beispiele aus verschiedenen Epochen. Um in unseren Anlässen auch die Orgellandschaft ausserhalb von St.Gallen zu berücksichtigen, haben wir für den Anlass die ev.-ref. Kirche in Amriswil ausgewählt. Dort steht eine dreimanualige Orgel mit 46 Registern, die 1944 von Kuhn erbaut und kürzlich revidiert wurde. Als stilistisch vielfältiges «Universalinstrument» ist die Amriswiler Orgel für die Thematik des Anlasses prädestiniert. Für ausführliche Informationen zum Instrument verweisen wir gern auf einen Artikel von Franz Lüthi im Bulletin OFSG 20, Nr. 4 von 2002 (zu finden auf unserer Website www.ofsg.org). Näheres zum Konzert lesen Sie im aktuellen Bulletin.

Liebe Orgelfreunde

Einige Dinge sind wünschenswert, wenn man einen Ausflug ins Bündner Oberland plant: Man hofft auf gutes Wetter, ein spannendes Programm, möglichst viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer, ein gutes Essen – und last but not least – auf einen versierten Chauffeur. Bis auf den ersten Punkt erfüllte sich beinahe alles wunschgemäss: Gut 50 Personen erlebten eindrucksvolle Orgelvorführungen auf schönen Instrumenten, genossen ein ausgezeichnetes Mittagessen (auch wenn für manche Teilnehmende die Vorfreude zwangsläufig deutlich länger dauerte als der unmittelbare Genuss ...) und wurden durch einen äusserst erfahrenen Postauto- und Carchauffeur sicher durch die manchmal ziemlich engen Bündner Dörfer gefahren. Dass sich die Bündner Berge eher wolkenverhangen zeigten und wir manchmal den Regenschirm aufspannen mussten, tat der guten Laune der Mitreisenden keinen Abbruch, wie Sie der kleinen Bildreportage in dieser Ausgabe sicherlich entnehmen können.

Nun darf ich Sie ganz herzlich zum letzten Anlass unseres Vereinsjahres einladen:

Dienstag, 30. Oktober 2018, 19.30 Uhr

Evangelische Kirche Amriswil
«Passacaglia/Chaconne» mit Andreas Jost

Andreas Jost ist Organist am Grossmünster in Zürich und Dozent an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK). Weitere Informationen über Andreas Jost finden Sie unter www.andreas-jost.ch. Bernhard Ruchti führt Sie in dieser Ausgabe des Bulletins mit seinem Artikel in das Thema des Abends ein.
Damit geht unser Vereinsjahr bereits seinem Ende entgegen, und ich möchte die Gelegenheit nutzen, Ihnen ganz herzlich für Ihr grosses Interesse und die aktive Teilnahme an unseren Anlässen zu danken. Damit beleben und bereichern Sie immer wieder unsere Veranstaltungen und spornen uns so zu neuen Ideen an.
Bereits jetzt möchte ich Ihnen das Datum des ersten Anlasses im 2019, unsere Jahresversammlung, bekanntgeben. Diese wird stattfinden am
Dienstag, 27. Februar 2019, im Gemeindezentrum St. Mangen.
Wie gewohnt dürfen wir zu Beginn ein kleines Konzert auf der Felsberg-Orgel St. Mangen geniessen. Danach, ca. 19.30 Uhr, beginnt die Jahresversammlung im Saal des Gemeindezentrums St. Mangen in St.Gallen.
Den Abend würden wir gerne wieder mit einem gemütlichen Apéro beschliessen. Im vergangenen Jahr organisierte dies wiederum Lieselotte Grädel, unterstützt durch Ursula Nüesch, wofür ich den beiden nochmals ganz herzlich danken möchte. Darf ich Sie anfragen, ob für den 27.2.19 ein kulinarischer Beitrag aus Ihren Reihen möglich wäre? Gerne möchte ich Sie bitten, sich bei mir zu melden (071/277 12 03).
2018 feiert die Firma Goll Orgelbau (Luzern) ihr 150-jähriges Jubiläum. In einem Artikel über die Firma und deren Jubiläum führt uns Simon Hebeisen, Geschäftsführer von Goll, etwas näher an die Firmentätigkeit heran. Goll beendete übrigens soeben den Einbau der neuen Orgel in der evangelischen Kirche St. Jakob in Klosters. Die Orgel wurde am 7. Oktober 2018 eingeweiht.

Einen Anlass ganz besonderer Art organisiert Imelda Natter am Samstag, 27. Oktober 2018: Sie verbindet «gehend und hörend» verschiedene Stationen auf dem Weg ins St.Galler Linsebühl.
Der Start erfolgt um 17.15 Uhr beim Noten-PUNKT (Spisergasse 43). Weitere Stationen: 18.15 Uhr Bild-Punkt Basarbizarr (Linsebühlstr. 76), 19.15 Uhr Kirche Linsebühl und 20.15 Uhr Kirchgemeindehaus Linsebühl. Es spielen 11 Musikerinnen und Musiker, darunter Imelda Natter und Dario Canal (Orgel), Ursula Oelke und Ute Gareis (Klavier) sowie ein Saxophonquartett und ein Tangotrio. Anita Sonnabend präsentiert im Basarbizarr ihr Bild aus unzähligen Punkten – dies alles zum Text aus Kohelet: «Alles hat seine Zeit». (Weitere Infos unter www.musik-im-centrum.ch)

Übrigens: Interessieren Sie sich nicht nur für Musik, sondern auch für deren interpretatorische Umsetzung? Dann möchte ich Ihnen Bernhard Ruchtis neuste Arbeiten ans Herz legen: Unter www.bernhardruchti.com finden Sie unter «a tempo» sehr spannende Beiträge zu diesem Thema.
Und nun freue ich mich darauf, Sie am 30. Oktober in Amriswil begrüssen zu dürfen. Und sollten wir uns im auslaufenden Jahr nicht mehr sehen, so wünsche ich Ihnen schöne Herbsttage und eine besinnliche und friedliche Weihnachtszeit.

Hans Peter Völkle
Präsident OFSG


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Orgelfahrt vom 1. September 2018 ins Bündner Oberland



















Gemütlichkeit und Fachgespräche
vom ersten Augenblick an










Wie immer bei den Orgelfreunden: Grosses Interesse an einer Orgeldemonstration
hier in Domat/Ems durch Pieder Jörg










Stephan Thomas an der historischen Orgel von Versam ...



... aufmerksam belauscht durch die St.Galler Orgelfreunde








Nicht ganz trocken erreichen wir die Kirche von Sumvitg, 


wo Stephan Thomas die Späth-Orgel demonstriert.

Fotos: hpv













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Ein Konzertabend zum Thema Passacaglia und Chaconne

Bernhard Ruchti

Die Orgel gehört nicht nur durch ihre Grösse und klangliche Bandbreite zu den faszinierendsten Musikinstrumenten. Sie ist auch das einzige Instrument, das die gesamte Musikgeschichte von den ersten Anfängen der instrumentalen Notation bis in unsere Gegenwart hinein umspannt. Jahrhunderte musikalischen Schaffens finden sich in ihrem Repertoire, und ihr Klang vermag wie kein anderer die Entwicklung der Musik nachzuzeichnen.

Ein besonderer Aspekt dieser Universalität sind einzelne Gattungen und musikalische Formen, die sich in der Orgelmusik verschiedener Zeiten finden und sich durch den Wandel der Stile hindurch erhalten. Sei es das Präludium oder die Fuge, seien es Variationen oder Liedformen: Die Orgel ermöglicht es, die Entwicklung dieser Gattungen durch die Jahrhunderte nachzuvollziehen und so Musikgeschichte an konkreten Beispielen lebendig werden zu lassen.

Eine solche Gattung steht im Mittelpunkt des Anlasses am 30. Oktober: die Chaconne bzw. die Passacaglia. Diese beiden Namen bezeichnen eine musikalische Form, die sich aus der Wiederholung einer immer gleichen Basslinie bildet, über der in variativer Form verschiedene Oberstimmen erklingen. Das berühmteste Beispiel ist gewiss die grosse Passacaglia in c-moll von Johann Sebastian Bach, die bis heute zum Kernrepertoire der Orgelliteratur zählt. Die Gattung umfasst jedoch die Zeit vor Bach ebenso wie die Zeit danach bis hinein ins 20. Jahrhundert.

Durch die Wiederholung der Basslinie besitzt die Chaconne im Unterschied zu einem Präludium oder einer Fuge etwas «kreisendes»; sie entwickelt sich nicht harmonisch, sondern einzig durch die Gestaltung des «Überbaues» über der Basslinie. Gerade dies macht ihre Faszination aus, die ausserhalb des Orgelrepertoires beispielsweise auch in die Sinfonik Einzug gefunden hat: Johannes Brahms schreibt den 4. Satz seiner Vierten Sinfonie ebenso als Passacaglia wie Anton Webern sein Opus 1 von 1908.

Der Anlass am 30. Oktober in der evangelischen Kirche Amriswil wird also im eigentlichen Sinne ein Themen-Abend sein: Wir werden die Gattung der Chaconne bzw. der Passacaglia durch die Musikgeschichte hindurch verfolgen, ihren Aufbau und ihre Eigenheiten verstehen lernen und vor allem ihre klangliche Umsetzung durch herausragende Beispiele erleben.

Es freut uns sehr, dass wir als Referenten und Interpreten Andreas Jost gewinnen konnten: Er ist Organist am Grossmünster in Zürich und Dozent an der Zürcher Hochschule der Künste ZHdK. Durch sein breites Wissen und sein meisterhaftes Orgelspiel wird er uns ohne Zweifel einen unvergesslichen Abend bescheren!


Andreas Jost
Andreas Jost erhielt seine Ausbildung als Organist bei Rudolf Meyer, Ludger Lohmann, David Sänger und Pater Theo Flury. Er hat mit Erfolg an verschiedenen Wettbewerben teilgenommen. So wurde ihm beispielsweise am 52. Internationalen Orgel-Interpretations-Wettbewerb Nürnberg der erste Preis und der Sonderpreis des Siemens Arts Program für die beste Interpretation eines Auftragswerks zugesprochen. Er arbeitet heute als Organist am Zürcher Grossmünster und als Professor für Orgelspiel an der Zürcher Hochschule der Künste. Als künstlerischer Leiter organisiert und betreut er die im Grossmünster jährlich stattfindenden internationalen Orgelkonzerte. Er entfaltet eine rege Konzerttätigkeit im In- und Ausland und ist regelmässiger Gast bei Rundfunkaufnahmen. Andreas Jost wird überdies als Juror und Berater für Wettbewerbe und Diplome beigezogen.
Sein breites und vielseitiges Repertoire reicht vom frühen 16. bis ins 21. Jahrhundert. Neben der vertieften Pflege von Werken vergangener Jahrhunderte misst er der Entdeckung und Initiierung zeitgenössischer Orgelkompositionen besondere Bedeutung bei. Als Solist oder Kammermusiker hat er schon zahlreiche Uraufführungen gespielt, darunter Werke von Thomas Daniel Schlee, Isabel Mundry, Rudolf Meyer, Franz Rechsteiner, Germán Toro-Pérez u.a.
Verschiedene CD-Aufnahmen dokumentieren sein künstlerisches Wirken. Die letzte Aufnahme erschien im Sommer 2014 (Reihe Great European Organs, Priory Records, Werke von Bach, Buxtehude, Schönberg und Vollenweider).
www.andreas-jost.ch


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150 Jahre Orgelbau Goll Luzern (1868–2018)

Simon Hebeisen

Orgelbau Goll in Luzern ist eine der beiden alteingesessenen Schweizer Orgelbaufirmen, die seit genau 150 Jahren bedeutende Instrumente fürs In- und Ausland bauen. 1868 gründet Friedrich Goll seine eigene Werkstatt, die bis Anfang der 1970er Jahre durch bewegte Jahre hindurch in Familienhand bleibt: zunächst Friedrich Goll (1839-1911), der als Haas’scher Nachfolger den Grundstein legt, danach die beiden Söhne Karl (1876–1967) und Paul (1880–1955) und in dritter Generation Friedrich Goll (1922–1971). Anhand der handschriftlichen Opus-Bücher und der erhaltenen Instrumente sind die technischen und klanglichen Entwicklungen des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts sehr schön ablesbar. Einen Höhepunkt erlebt die Firma 1926 mit dem international gefeierten Bau der grössten Orgel der Schweiz in der Klosterkirche Engelberg mit 135 Registern.

Ab 1972 prägen die beiden Orgelbauer Jakob Schmidt (1935–98) und Beat Grenacher über gut 25 Jahre einen neuen Stil, der eine klare und moderne Prospektgestaltung mit charaktervoller Klanggestaltung und rein mechanischen Trakturen auf höchstem Niveau verbindet. 1998 kehrt Simon Hebeisen nach Wander- und Weiterbildungsjahren in den Lehrbetrieb zurück und leitet fortan (bis 2009 mit Beat Grenacher zusammen) die Geschicke der mittelgrossen Luzerner Orgelbauwerkstatt mit 15 Mitarbeitern.

Schwerpunkt Neubau
Der Neubau von Instrumenten stellt nach wie vor den wichtigsten Bestandteil der Werkstatt-Arbeiten dar. Die Übernahme der Werkstattleitung durch Jakob Schmidt und Beat Grenacher 1972 markiert einen Wendepunkt. Während Jakob Schmidt die technischen Anlagen und die Orgelprospekte entwirft, widmet sich Beat Grenacher der klanglichen Seite. Als Resultat dieser fruchtbaren Zusammenarbeit entstehen moderne Instrumente mit ganz eigenständigem Charakter. Zunächst werden kleinere 2-manualige Werke gebaut, ab Anfang der 1980er Jahre vermehrt auch 3-manualige Orgeln. Die Realisierung der ersten 4-manualigen Goll-Orgel in der französischen Kirche Bern gilt bis heute als Referenz, sowohl im Bereich der rein mechanischen Tontraktur als auch bei der Klangqualität. Der entsprechende Ruf kann sich so weit festigen, dass in den letzten Jahren zunehmend auch im Ausland spannende Neubau-Aufträge realisiert werden können. Durch die Verfeinerung der mechanischen Elemente und die konstante Weiterentwicklung der Traktur-Konzepte ist es möglich, Orgeln bis zu einer Grösse von vier Manualen und ca. 65 Registern mit einer sensiblen und leichtgängigen Mechanik anzusteuern. Es ist das erklärte Anliegen des Hauses Goll, eine optimale Abstimmung zwischen den klanglichen, den ästhetischen und den technischen Aspekten zu erreichen. Der Anspruch auf die entsprechende Eigenständigkeit soll für jedes Instrument eingelöst werden. Wird nach einem «Goll’schen Stil» gefragt, steht genau diese Individualität im Vordergrund: es ist nicht die besondere Vorliebe für eine barocke oder romantische Ästhetik, sondern die Erschaffung eines in sich ausgewogenen und vielseitigen Klangbildes, welches optimal auf das gegebene Umfeld abgestimmt ist.

Opus 100 von Goll: Die neue Orgel in der evangelischen Kirche
St. Jakob in Klosters. Foto: Orgelbau Goll

Schwerpunkt Unterhalt, Revisionen und Restaurierungen
Der zuverlässige und sorgfältige Unterhalt von etwa 200 Instrumenten liegt der Goll’schen Mannschaft besonders am Herzen. Je nach Zustand und Verschmutzungsgrad eines Instruments werden in der Regel nach 20 bis 30 Jahren umfangreichere Revisionsarbeiten notwendig. Die genaue Kenntnis der Besonderheiten eines Instruments ermöglicht es, den Eingriff konzentriert und gezielt zu planen und auszuführen.
Im Bereich der Restaurierungen von historischen Instrumenten wird nach den heute gültigen denkmalpflegerischen Grundsätzen vorgegangen, was neben einer klaren Dokumentation auch die Berücksichtigung von besonderen Arbeitsmethoden beinhaltet.
Ein besonders faszinierendes Projekt war die Restaurierung der historischen, rein pneumatischen Goll-Orgel von 1911 in der ref. Kirche Flawil, die im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten zum 150-jährigen Bestehen der Firma Anfang November wieder eingeweiht wird.

Persönlicher Kontakt und ganzheitliche Vorgehensweise
Ein wichtiges Anliegen ist der persönliche Kontakt zu den künftigen Nutzern. Von der Beratung beim ersten Gespräch über all die Besprechungen zur Weiterentwicklung eines Projekts bis zum Ortstermin während den Arbeiten auf Platz sind alles wichtige Schritte der Projektbegleitung und wesentlich für die reibungslose Abwicklung eines komplexen Bauvorhabens. Anknüpfend an die Tradition der phantasievollen Orgel-Entwürfe von Jakob Schmidt wirkt die langjährige intensive Beschäftigung mit Architektur, Innenarchitektur und Design bereichernd und bildet die Grundlage für einen eigenständigen Stil in der Prospektgestaltung. Klassische Grundformen und Proportionsverhältnisse werden weiterentwickelt und mit neuen Materialien, formalen Bezügen zum Umfeld und raffinierter Ornamentik zu einer neuen Aussage verwoben. Die ganzheitliche Vorgehensweise unter Berücksichtigung möglichst aller – im ersten Moment vielleicht nebensächlicher – Aspekte ist ein besonderes Merkmal der Goll’schen Orgelprojekte.

Werkstatt und Ausbildung
In der Werkstatt Goll arbeiten aktuell 15 Mitarbeiter: Orgelbauer, Zinnpfeifenmacher und spezialisierte Schreiner. Der Mitarbeiterbestand ist sehr konstant und die Altersstruktur gut durchmischt. Eine freundschaftliche Arbeitsatmosphäre bildet die Grundlage für eine konzentrierte und projektorientierte Zusammenarbeit. Die Werkstätten sind relativ klein, aber gut eingerichtet. Der neue Montagesaal erlaubt es künftig, auch grössere Instrumente ganz aufzubauen, bevor sie an den Bestimmungsort ausgeliefert werden.
In der Tradition des Hauses werden regelmässig Lernende ausgebildet. Der vielseitige und faszinierende Beruf erfordert von einem Jugendlichen während der vierjährigen Lehre ein ausgeprägtes Interesse, handwerkliches Geschick, gutes dreidimensionales Vorstellungsvermögen, musikaische Grundkenntnisse und einen grossen Einsatz.
Sein grosses Engagement für die Ausbildung von jungen Orgelbauern zeigt Simon Hebeisen während 10 Jahren als Fachlehrer am Ausbildungszentrum für Musikinstrumentenbauer auf dem Arenenberg (bis Sommer 2012) und als Experte bei den eidgenössischen Lehrabschlussprüfungen. Er unterrichtet zudem als Dozent für Orgelbaukunde an den Musikhochschulen Zürich und Luzern.

Blick in die Zukunft
Die 150jährige Tradition des Hauses Goll bildet eine solide Grundlage für die heutigen und künftigen Aktivitäten. Sowohl der Neubau von charaktervollen und ortspezifisch konzipierten Orgeln als auch der zuverlässige und individuell abgestimmte Unterhalt von Instrumenten verschiedenster Systeme bilden einen abwechslungsreichen Orgelbauer-Alltag. Wenn auch in den nächsten Jahren die Anzahl der neu zu bauenden Instrumente wohl tendenziell abnehmen wird, so bleibt doch die Überzeugung, den eingeschlagenen Weg eines ganz persönlich geprägten Orgelbaus weiter zu verfolgen und stetig weiterzuentwickeln. Die Vielseitigkeit der unterschiedlichen Projekte und der kontinuierliche intensive Austausch mit Musikern, Orgelbauer-Kollegen, Akustikern, Architekten und bildenden Künstlern wirken dabei immer wieder von neuem inspirierend.
Werkverzeichnis und besondere Informationen auf der Homepage: www.goll-orgel.ch.


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Impressum
St. Galler Orgelfreunde: www.ofsg.org
Redaktionskommission: Eva Bachmann, Bernhard Ruchti, Hans Peter Völkle
Sekretariat: Eva Bachmann, Magnihalden 8, 9000 St.Gallen
sekretariat@ofsg.org, 071 244 87 13
Für den Inhalt der Texte sind die jeweiligen Autoren verantwortlich.

Blick in die denkmalgeschützte Kirche von Versam   Foto:hpv


 Orgelfahrt ins Bündnerland

Eine barocke Orgel mit einem "Orgelstuhl" und einer bemalten "Laube": ein typisches Ensemble aus dem Bündnerland. Die Kirche von Versam wird die zweite Station sein auf unserer Orgelreise am 1. September. Ausserdem machen wir Halt in Domat/Ems mit der romantischen Mayer/ Metzler-Orgel und in Sumvitg mit der modernen Späth-Orgel im alten Gehäuse. Erste Informationen zu den Instrumenten erhalten Sie im vorliegenden Bulletin, die beiden Organisten Pieder Jörg und Stephan Thomas werden vor Ort mehr dazu erzählen und Sie auch in die Klangwelt der drei Instrumente einführen.

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Liebe Orgelfreundinnen und Orgelfreunde
War das ein Genuss: Kraftvoll und intelligent interpretiert durften am vergangenen 12. Juni ca. 50 Mitglieder der Orgelfreunde die Aufführung der «Phantasie und Fuge über B-A-C-H» von Max Reger erleben. Bernhard Ruchti wusste uns das wunderbare Werk sowohl in der spannenden Einführung als auch an der schönen Orgel im Linsebühl meisterhaft näher zu bringen. Tatkräftig unterstützt wurde er durch Barbara Kind als Registrantin. Ein herzliches Dankeschön den beiden für die eindrucksvolle Darbietung. Dies mag bereits die Vorfreude auf den dritten B-A-C-H-Abend im nächsten Jahr wecken!
Vorerst aber dürfen wir uns nun auf unsere diesjährige Orgelfahrt ins Bündner Oberland freuen: Am 1. September werden wir die Orgeln in Domat/Ems, Versam und Sumvitg besuchen und erleben können. Die beiden Referenten und Organisten Pieder Jörg und Stephan Thomas geben Ihnen auf den folgenden Seiten erste Informationen über die ent­sprechenden Instrumente.
Mittlerweile haben sich gut 40 Personen für die Fahrt angemeldet. Für Kurzentschlossene wären also noch ein paar Plätze frei, allfällige Anmeldungen nehme ich gerne (baldmöglichst) entgegen.
Bezüglich unserer letztjährigen Orgelfahrt nach Zürich gibt es leider eine eher traurige Nachricht zu vermelden: Das Projekt der durch uns be­suchten «KunstKlangKirche» Egg ist infolge Geldmangels gescheitert. Die vorhandenen Orgeln müssen nun wieder demontiert werden. Schade um die wunderbare Kegelladenorgel von Kuhn aus dem Jahre 1889. Ihr warmer und runder Klang wird wohl so schnell nicht mehr zu hören sein. Glücklich, wer sie geniessen durfte. Dieses Instrument hat bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen.
Beachten Sie in der vorliegenden Ausgabe bitte auch den Hinweis auf die anstehende Uraufführung eines Werkes von Bernhard Ruchti am 7. Sep­tember.
Und nun hoffen wir alle auf gutes Wetter am 1. September! In grosser Vorfreude
Hans Peter Völkle
Präsident OFSG

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Blick auf Domat/Ems mit den beiden Pfarrkirchen: Sogn Gion auf dem Hügel (links)
und Mariä Himmelfahrt im Dorf. 
 Foto: R.Z.

Romantisches Klangbild: Die Orgel in der
katholischen Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt, Domat/Ems


Pieder Jörg

Die Gemeinde Domat/Ems liegt im Churer Rheintal und ist die erste Ort­schaft am Ufer des vereinten Rheins. Viele kennen die markante alte Pfarrkirche Sogn Gion (St. Johann), die auf einem Hügel thronend die Autobahn A 13 zum Ausweichen zwingt, ahnen aber nichts von den anderen Kulturschätzen dieses Strassendorfs. Vor einer Reise zur Orgel der neuen Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt lohnt es sich jedoch, einige Eckpunkte aus der Ortsgeschichte kennen zu lernen. Denn die Situation mit einer vormittelalterlichen Talkirche, zwei Pfarrkirchen, etlichen Kapellen und - erstes Ziel unserer Orgelreise - einer repräsentativen, klangmächtigen Orgel, entstand in erster Linie aus der Geschichte des Dorfs und nach dem Willen seiner Bewohner.

Das heutige Dorf mit seinem rätoromanischen Namen Domat und seiner deutschen Bezeichnung Ems war seit der Steinzeit besiedelt. Die Römer nannten die Siedlung Amedes und schätzten die etwas erhöhte, vor Über­flutungen sichere Lage zwischen den Hügeln. Aus karolingischer Zeit präsentiert sich heute noch die schlichte Kirche Sogn Pieder (St. Peter) am Fusse der Tuma Caste (Schlosshügel), die wohl dem ganzen Tal als Gotteshaus diente. Im frühen Mittelalter entstand aus den heutigen Gemeinden Rhäzüns, Bonaduz, Ems und Felsberg die Freiherrschaft der von Rhäzüns. Diese bestand formell bis 1819, mit Ausnahme von Fels­berg, das sich während der Reformation aus konfessionellen Gründen loslöste. Das Gebiet ging 1461 durch Heirat an die Familie der Hohen­zollern, die es jedoch bereits 1497 mit Maximilian 1. von Habsburg gegen die Herrschaft Haigerloch eintauschten. Der habsburgische Aussenposten besetzte eine strategisch wichtige Stelle, sowohl in Bezug auf die Verkehrs- und Handelswege als auch auf den nahen Bischofssitz in Chur.

Der Gegenpol zu Chur
Während der Bündner Wirren (30-jähriger Krieg) wie auch während der Franzosenkriege 1799/1800 vertraten die führenden Familien und die Bevölkerung eine dezidiert österreich-freundliche Linie und präsentierten sich stark als katholische Herrschaft. Man sah sich als Gegenpol zu der seit 1527 protestantischen Stadt Chur, wo der Bischof in einer Burg getrennt von der Stadt residierte.

Ems stellte über die Jahrzehnte mehrere Bischöfe und Verwalter in den Untertanengebieten des Bistums wie zum Beispiel im Südtirol. Während der Amtszeit des Emsers Ulrich VII. von Federspiel als Bischof von Chur (1692-1728) wurde auch die im Frühmittelalter inzwischen auf römischen Ruinen erbaute, zweite Pfarrkirche Sogn Gion auf dem Hügel für das wachsende Dorf zu klein. Auf Land, welches von der Familie Federspiel gestiftet worden war, begann man schliesslich 1730 mit dem Bau der 1739 geweihten neuen Pfarrkirche. Die wie die Churer Kathedrale unter das Patrozinium der Muttergottes gestellte Kirche sollte das grösste Gebäude seiner Zeit in Graubünden werden.

In dieser Zeit beginnt auch die Geschichte der heute noch bekannten Orgeln in den Emser Kirchen. Nach den Aufzeichnungen des in Ems geborenen Paters Dominicus Willi (später Bischof von Limburg) soll schon 1690 eine Orgel in der alten Pfarrkirche Sogn Gion errichtet worden sein. Dazu finden sich jedoch keine Spuren im Pfarreiarchiv oder am Gebäude. Die Kirche war später lange Zeit ohne Orgel, bis sie 1981 ein neues Instrument von Orgelbau Felsberg erhielt.


Erste Orgel von 1773: Opfer eines Dorfbrands

Ob die neue Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt zu Beginn schon über eine Orgel verfügte, weiss man nicht. Allerdings weiss man aus einem Bericht im Pfarreiarchiv, dass der Orgelbauer Johannes Allgeuer aus Gisingen bei Feldkirch 1773 zum Preis von damals 1000 Gulden ≪eine Orgel von 
16 Registern sammbt Paas, Supas und Trompeten≫ errichtet hat. Dieses Instrument, von dem sonst nichts bekannt ist, wurde leider bereits 1800 beim grossen, kriegsbedingten Dorfbrand ein Raub der Flammen. Ein deutlich kleineres Instrument Allgeuers findet sich in Graubünden noch in der evangelischen Kirche von Valendas und ist im Zuge einer Restaurie­rung 1974 auf den mutmasslichen Originalzustand zurückgeführt worden. Ein weiteres Instrument Allgeuers befindet sich in der evangelischen Kirche von Wiesen (1963 restauriert).

Der Wiedereinbau einer Orgel liess angesichts der unsicheren Zeiten zu Beginn des 19. Jahrhunderts länger auf sich warten. 1814 wurde dann drch den Walliser Johann Sylvester Walpen eine neue Orgel errichtet, die gemäss P. Dominicus Willi wiederum über 16 Register verfügt haben soll, mit deren Qualität man aber nie wirklich glücklich war. Im Pfarrei­archiv finden sich etliche Reparaturaufträge an Orgelbauer aus der Region. Die Orgel stand damals noch auf einer einzigen Empore, die nur nwesen.tlich höher lag als die heutige untere Empore. Über der Orgel offnete sich an der Westfassade noch ein grosses Fenster, welches heute nur noch von aussen als Nische erkennbar ist.


Die Orgel von Johann Georg Mayer 1894

Am 10. April 1893 wurde von einer Gemeindeversammlung beschlossen, vom Feldkircher Orgelbauer Johann Georg Mayer eine neue Orgel mit 18 Registern bauen zu lassen. Ebenfalls sollte die bestehende Empore leicht abgesenkt und darüber eine zweite Empore für Orgel und Chor errichtet werden. Bei seiner Einweihung 1894 verfügte das Instrument schliesslich über 21 Register auf mechanischen Kegelladen . Es sollte Georg Mayers letzter Neubau werden. Am 7. Dezember des Jahres 1894 verstarb er unerwartet. Aus seinem Nachruf entnehmen wir: ≪Mayers letztes grösse­res. [Werk] war die Orgel von Ems bei Chur, welcher am 28. August vorigen Jahres Domkapellmeister Stehle in St.Gallen das Prädikat eines schönen, gelungenen Werkes ertheilte≫ [1].

Die Orgel von Georg Mayer ist annährend vollständig in der heutigen Orgel erhalten. Lediglich ein Gemshorn 4' aus dem Schwellwerk wurde entfernt. Ausserdem wissen wir nicht, ob die Mixtur und das Cornett (auf dem 16' aufbauend) bereits von Mayer so ausgelegt wo rden sind, wie wir sie heute vorfinden. In jedem Fall dominieren die handwerklich äusserst fein gebauten Mayer-Register auch heute noch das Klangbild der Orgel.

Anlässlich der kürzlich erfolgten Restaurierung der Orgel wurde dies besonders deutlich, ist doch jede Metallpfeife bei Mayer in feinster Schrift graviert und jede Holzpfeife mit Feder beschriftet, wobei der Text mit einem Schutzlack geschützt wurde.







Pfeife des Gedeckt 8' von Johann Georg Mayer. Die Orgel verfügte über ein Lieblich Gedeckt 8' im II. Manual und ein Gedeckt 8' im 1. Manual, daher die Bezeichnung "II. Gedeckt" für das Letztere. Foto: pj









Die Mayer/Metzler-Orgel in der Pfarrkirche Domat/Ems
nimmt die ganze Breite der oberen Empore ein.
   Foto: pj

Die Erweiterung durch Jakob Metzler 1926
Bereits wenige Jahre später war den Emsern die neue Orgel zu wenig mächtig. Ausserdem störte man sich daran, dass die Orgel die nicht sehr tiefe Empore teilte und so ungünstige Verhältnisse für den Chor schuf. Der damalige Organist störte sich aber offenbar auch daran, dass sich die Sänger seitlich hinter der Orgel verbergen und dort schwatzen konnten. So entnehmen wir aus einem Protokoll von 1925: ≪(...) Ferner hegte man schon lange den Wunsch , die Schlupfwinkel beiderseits des Orgelgehäu­ses zu beseitigen. Dies alles liess dann den Gedanken aufkommen, das Gehäuse seitwärts auszubauen und den Spieltisch nach rückwärts zu verlegen, sodass für den Sängerchor mehr Platz gewonnen würde.≫

Man holte also Offerten ein, u.a. bei Goll und bei Jakob Metzler, der im benachbarten Felsberg seine Werkstätte hatte. Metzler erhielt dann auch den Zuschlag und wurde mit dem Umbau betraut. Auch für ihn sollte diese Orgel sein letztes Werk werden . Er erlebte den Abschluss der Arbeiten 1926 nicht mehr, und die Orgel wurde durch seine Söhne Oscar und Albert fertiggestellt.

Wie bereits erwähnt ist fast das gesamte Pfeifenwerk der Mayer-Orgel in die neue Orgel integriert worden . Auch sämtliche Windladen und selbst Gehäuseteile wurden wiederverwendet. Die mechanischen Kegelladen wurden dabei lediglich durch Vorgelege pneumatisiert und neu neben­ einander statt hintereinander aufgestellt, dies um den erwünschten Platz zu gewinnen. Die Schwellwerkslade wurde um 3 Kanzellen erweitert, die Hauptwerkslade um eine Kanzelle. Die Pedalladen blieben unverändert, der zusätzliche Principalbass 16' bildet heute den Prospekt. Bei der Mayer-Orgel stand noch der Principal 8' aus dem Hauptwerk im Prospekt. Diese glänzenden Zinnpfeifen stehen heute hinten in der Orgel zwischen ≪gewöhnlichen≫ Pfeifen. Von den neu hinzugefügten Registern ist sicher die vorne und hinten labierte Doppelflöte 8' zu erwähnen, welche vom damaligen Organisten aus eigener Tasche bezahlt wurde. Mit den nun­ mehr 26 klingenden Registern übertraf man die Goll-Orgel der Kathedrale in Chur um ein Register!

Der neue Spieltisch wurde von Metzler vermutlich zugekauft. Man könnte also bei Metzlers Werk im eigentlichen Sinn von einer Orgelerweiterung sprechen, wobei aber das vorhandene Pfeifenmaterial sehr geschickt eingesetzt wurde. Deren klangliche Möglichkeiten potenzieren sich im neuen Instrument dank der verschiedenen Kopplungsmöglichkeiten (Sub­-/Manual-/Super). Das Klangbild blieb aber klar der süddeutschen Romantik verpflichtet. Die Orgelweihe war am 8. Dezember 1926.

Restaurierung 2015
Ob es nun der feierliche Einzug an Fronleichnam ist, die Begleitung des stattlichen Kirchenchors, oder die Führung der grossen Vespern an Feier­ tagen: Nach der Erweiterung von 1926 erfüllte die Orgel ihre Funktion offenbar in idealer Weise. Es kam zu keinen Veränderungen mehr und die gute handwerkliche Qualität der Orgel - und gerade auch der Pneumatik Metzlers - gab keinerlei Anlass zu Klagen.

Erst in den 80er Jahren wehte der Zeitgeist kurz nach Ems und der Pfarrei wurde durch Sachverständige und Orgelbauer nahegelegt, die Orgel durch ein mechanisches Instrument zu ersetzen. Die Gemeinde­versammlung widersetzte sich jedoch diesem Wunsch und hielt an ≪ihrem≫ Instrument fest. Es sollten dann noch weitere 30 Jahre im fast täglichen Gebrauch folgen, bis die Orgel 2015 durch die Firma Kuhn vorbildlich restauriert wurde.

Quellen
[1] Nachruf auf Johann Georg Mayer, in ≪Der Kirchenchor≫, 25. Jahrgang, 1895,
Selbstverlag Josef Battlogg, Bregenz
[2] Willi Lippuner,Friedrich Jakob: ≪Orgellandschaft Graubünden≫, 1994
[3] Pfarreiarchiv Domat-Ems



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Die Orgel in Versam datiert von 1789, das heutige
Erscheinungsbild entspricht weitgehend dem Original
.   Foto: hpv


Versam: Historisches Ensemble aus Orgel und Stuhl

Stephan Thomas

Die Orgel von Versam wurde von Pankratius Kayser im Revolutionsjahr 1789 erbaut. Aus seiner Werkstatt stammen noch weitere Bündner Orgeln: Jene von Langwies und St.Peter (Zuschreibung), dazu kommt die abgegangene in der Kirche St.Remigius in Falera. Kayser stammte aus St.Margarethen/TG (bei Münchwilen).

Erhalten sind neben dem Gehäuse und dem Orgelstuhl die Manuallade und etwa zwei Drittel des Pfeifenwerks. Ebenfalls überliefert ist der Vertrag, den die Versamer am 17./18. September 1788 mit Pankratius Kayser abgeschlossen haben.

Im Folgenden zitieren wir das Standardwerk ≪Orgellandschaft Graubün­den≫ von Friedrich Jakob und Willy Lippuner (1994): ≪In Versam steht das einzige bis heute am Originalstandort erhaltene Beispiel des typisch bündnerischen Ensembles von Orgel und dazugehörigem <Orgelstuhl>. Auch die Dokumentation ist erfreulich vollständig. Der Orgelbauvertrag vom 17./18. September 1788 ist erhalten, und in der Fassungsmalerei des Gehäuses ist auch der Orgelstifter überliefert:<lacobus 17 Gredigius 89 Donator>. Der Erbauer Pankratius Kayser hinterliess auf der Innenseite des Mittelturmgehäuses zudem seine Initialen PK.

Gemäss Vertrag hatte Kayser eine Orgel von 9 Registern zu liefern. Als Bezahlung wurde eine Summe von 600 Gulden vereinbart, als Liefer­termin der Mai des folgenden Jahres 1789 bestimmt.

Die einzigen grösseren Eingriffe geschahen im Jahre 1899 durch Jakob Metzler. Er baute die ehemals kurze Oktave aus durch Öffnen je zweier Blindkanzellen links und rechts. Die Disposition änderte er in seiner übli­chen Art und Weise: Verzicht auf Mixtur, Tieferlegen der Quinte von 1⅓' auf 2⅔', Einbau eines Salicionals 8' ab c°, Neubau von Octave 4' und Umbau des alten Prospektprincipals 4' zu einem Principal 8' (C-A neue Holzpfeifen, B im Prospekt = originales C). Wohl gleichzeitig wurde die Fassung des Gehäuses und der <Laube> übermalt.

Im Jahre 1969 erfolgte die Restaurierung durch Orgelbau Felsberg. Die Spielanlage wurde in originaler Art erneuert, wobei man aber den Ausbau der kurzen Oktave nicht rückgängig machte. Das Pedal erhielt eine neue Windlade und Klaviatur mit Umfang C-d'. Die Übermalungen an Gehäuse und Laube wurden wieder entfernt, so dass die Fassung in alter Pracht erstrahlt. Die Dispositionsänderungen wurden eliminiert.≫

Vertrag mit Pankratius Kayser vom 17./18. September 1788
Zufolg diesem Redlich geschlossenen Accord verpflichtet sich der Herr Pangcerati Keyser, Orglenmacher von St.Margretha, in der Kirchen der ehrsamen Gmeind von Versam mit zuegehörigen Ortschaften eine Orgel wahrhaft, wie es sich bei Bidermans Treu gebührt, redlich überzeugt, folgendergestalt bis künftigen Majen, beliebts Gott, zu verfertigen, dass er
1. Auf eigene unkosten dieses Werk von 9 Register formiere, namlich:
Ein Principal von 5 Schuh No. 8 aus Zinn vorbehalten, die ersten 6 Pfeifen von Holtz namlich bis A oder B
Ein ander Octav von Fuss ... No. 2 Zinn
Jtem ein Quint von ... No. 1 1/2 Zinn
Jtem ein Cornet vom halben Clavier oben 3 fach Zinn
Jtem ein coplete Mixtur, die bis in die Helfte des Clavier, dort und sodann auch in die andere andere Helfte dort gestimmt seyn soll Zinn
Jtem ein Copel bedeckt zu 8 Fuss Holtz
Jtem ein Spitzflauten unbedeckt 4 Fuss
Item ein Flauten unbedeckt 2 Fuss
Endlich der Suppass von 16 Fuss bedeckt von Holtz.
2. Soll er zwei grosse, wenigstens 7 Schue lange und 3 1/2 Schue Breite Blasbälg, somit genuegsamen Wind die Lade versehen machen.
3. Wird der Herr Orgelmacher, was ihm besser fügt, mit eignestem Materialien zu Haus verfertigen, und solches Franco auf Chur stellen, das übrige und im besonderen der Orgelkasten, der Suppass oder andere gröbere Sachen in Versam ausarbeiten, wozue ihm aber die Gmeind samtlich Holtz oder Bretter gratis auf den Platz stellen muess.
4. Wird er beiläufig das Werk 7 Schuo breit, verstehet sich die Wind Laden in Fronte, und so weiters nach proportion des Werks bearbeit und ob dem Principal die Lade mit Laubschnitzwerck zu füllen und voll zu machen.
5. Auch überhaupt das Werk ehrlich, und wie es einem Künstler gebührt, verfertigen und auf die Louben gestimt zu stellen.
Wohingegen
6. Ich die Gemind- und Kirchsgenossen oder deren Herren Deputierte verbinden, Bei Vollendung dieser Orgel ihme Herr Keyser ohne Anstand fl. 600 bahr zu bezahlen, franco während seiner hiesigen Orgelarbeit, mit notwendiger Behausung Bett, Holtz, Salz, Schiff und Kochgeschirr zu versechen. Auch Schlosser- und Mahlerei selbst machen zu lassen und zu bezahlen.
7. Nach Verfluss eines Jahrs wird der Herr Orgelmacher auf eigene Unkosten nocheinmahl die Stimung revidieren, wo dann auch die Honorantz, welche Entzs unterschriebenen Herren Deputierten übergeben wurden, nach schuldigkeit ihme ausbezahlt werden wirdt.

Urkundlich bescheinen in Versam den 17./18. Septembris 1788
Bescheinst Marti Buchli
dermalen Geschworener in Ilanz dem Hr. Deputierten
und der Gemeindt

Pangkrati Keyser

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Die Kirche S. Gion Battesta in Sumvitg.    Foto: hpv

Die Kirche Sumvitg und ihre moderne Späth-Orgel

Stephan Thomas

An der Orgel von Sumvitg ist keine historische Substanz erhalten, ledig­lich das Gehäuse ist stilistisch an die Vorgängerorgel angelehnt. Als Baujahr von dieser wird ca. 1815 angenommen. Der Orgelbauer ist nicht bekannt, doch darf angenommen werden, dass es sich um Sylvester Walpen oder Anton Sacchi handelt. Die beiden waren zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Graubünden tätig, unter anderem in Chur. Im Folgenden zitieren wir wieder aus ≪Orgellandschaft Graubünden≫.

≪Für das Jahr 1815 ist eine Auslage für die <Orgellaube> belegt: <per far dus beuns si la laupia de las orglas>. Man darf wohl eine etwa gleich­ zeitige Entstehung der Orgel selbst annehmen. Die Stilistik des Gehäuses mit seinen geschweiften, in Voluten endigenden Dachprofilen verrät Sylvester Walpen oder Anton Sacchi als Meister. Im Jahre 1826 erhielt < Herr Ant. Orgelmaher> ein Mass Wein. Herr Anton ist mit Sicherheit nicht Anton Sacchi, doch handelte es sich bei dieser Arbeit wohl lediglich um eine Reparatur. Wie die Abbildung zeigt , handelte es sich um eine Brüstungsorgel auf einer oberen, zweiten Empore. In Graubünden waren derartige Doppelemporen äusserst selten. Auch diese Anlage in Somvix ging bei der Kirchenrenovation 1938/39 verloren.

1875 erneuerte Aloys Derungs aus Camuns die beiden Schöpfbälge, 1879 renovierte Emil Maier aus Wolfschlugen [zwischen Stuttgart und Reutlingen] das Werk und lieferte einen neuen Magazinbalg.

Zu unbekannter Zeit muss aber noch ein weiterer, gewichtiger Umbau erfolgt sein, denn Metzler überliefert uns 1938 eine romantisierte Dispo­sition auf gut erhaltener mechanischer Kegellade. Die <Cronica> von 1935 weist diese Arbeit Mayer-Feldkirch zu, allerdings fehlt Sumvitg oder Somvix im Werkverzeichnis Mayers. 1939 lieferte Metzler-Dietikon eine neue Schleifladenorgel mit pneumatischer Traktur.≫

1997, kurz nach Erscheinen von ≪Orgellandschaft Graubünden≫ , baute Orgelbau Späth AG (Rapperswil) ein neues Werk in das alte Gehäuse.


Das Gehäuse der Orgel ist an das Original von 1815 angelehnt, das Werk darin jedoch ist modern.   Foto: Orgelbau Späth

Spieltisch   Foto:sth
Disposition (1997)

I.Manual (Hauptwerk)(C-g''')II.Manual (Schwellwerk)(C-g''')
1.
2.
3.
4.
5.
6.
7.
8.
9.
10.
Bourdon
Principal
Rohrflöte
Dolceflöte
Octave
Spitzflöte
Quintflöte
Superoctave
Mixtur 4fach
Trompete
16′
8′
8′
8′
4′
4′
2 2/3′
2′
2′
8′
11.
12.
13.
14.
15.
16.
17.
Salicional
Gedackt
Unda maris
Nachthorn
Octave
Cornett 3fach
OboeTremulant
8′
8′
8′
4′
2′
8′
Pedal(C-f')
18.
19.
20.
21.
22.
Principalbass
Subbass
Octavbass
Cello
Posaune
16′
16′
8′
8′
16′
GehäuseIm Stile der Vorgängerorgeln (Walpen/Sacchi)
ProjektgestaltungAndreas Heinzle
Beratung und DispositionRudolf Meyer, Winterthur
SchnitzereienToni Walker, Flüelen
FassungStöckli, Stans
IntonationHans Späth
Erbaut 1997 durchSpäth Orgelbau-Team, Rapperswil

(Quelle: Werkverzeichnis Orgelbau Späth AG, online)


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Uraufführung eines neuen Chorwerks 
von Bernhard Ruchti

Im Rahmen der diesjährigen ≪Laurenzen Konzerte≫ wird am Freitag, 7. September , um 19.30 Uhr in der Kirche St. Laurenzen St.Gallen das neue Chorwerk≪Auf die Tiefe: ein irdisch' Fahrtenlied (De Profundis)≫ von Bernhard Ruchti für gemischten Chor, Solistinnen, Instrumentalensemble und Orgel uraufgeführt. Das Stück beruht auf einer eigens für diesen Anlass erstellten Neudichtung von Psalm 130 durch den deutschen Schriftsteller Bernd Marcel Gonner. Das Konzert trägt den Titel ≪Jauchzet dem Herrn - 500 Jahre reformierte Kirchenmusik≫ und bringt neben der Uraufführung ein Programm von der Barockzeit bis in die Gegenwart. Es singt der Konzertchor unter der Leitung von Bernhard Bichler.
Sommer 1913: Max Reger bei der Arbeit               Foto:Max-Reger-Institut

Eine monumentale Bach-Hommage


Max Regers Phantasie und Fuge über B-A-C-H op. 46 steht im Mittel­punkt des zweiten Teils von Bernhard Ruchtis Trilogie über das B-A-C-H­ Motiv in der spätromantischen Orgelmusik mit Schumann, Reger und Liszt. Am 12. Juni erläutert er den Aufbau und die Harmonik des Werks und bringt es dann auf der Goll-Orgel in der Linsebühl-Kirche St.Gallen zum Klingen. Lesen Sie dazu eine erste Einführung in diesem Bulletin Ausserdem laden wir Sie zu unserer Orgelfahrt am 1. September ein: Details zu Programm und Anmeldung finden Sie auf den hinteren Seiten.

Liebe Orgelfreundinnen und Orgelfreunde
Haben Sie gewusst, dass es Orgeln gibt, deren Labien an den Prospekt­pfeifen mit aufgemalten Gesichtern geschmückt sind? Oder dass es Orgeln gibt, die durch beidseitig an die Wand gemalte Pfeifen grösser und imposanter erscheinen sollen? Beeindruckend auch der Prospekt eines modernen Instruments, der mit langen Haaren verziert ist, die sich im Wind der gespielten Pfeifen bewegen. Oder gar ein Orgelprospekt in Form einer schützenden Hand. (s. Bilder)


Notre-Dame des Neiges, Alpe d·Huez (F)                       Foto: wikipedla
Jakobi-Kirche, Lübeck (D)                                 Foto: dewiki






















Sankt Martin, Kassel                                                                                                 Foto: courtesy the artist and galerie neu berlin / stefan korte

Dies und noch viel mehr durften die knapp 20 anwesenden Mitglieder an unserem ersten Anlass vom 27. April in einem äusserst spannenden und interessanten Referat von Matthias Hugentobler erfahren. Matthias ist seit vielen Jahren als Orgelbauer für die Firma Kuhn tätig und wusste bei seinen Ausführungen so richtig aus dem Vollen zu schöpfen. Sicherlich wirkte sich  der  Umstand, dass am selben Abend  die Aufführung  der "Landsgemeinde-Kantate" in Trogen stattfand, ungünstig auf die Besucherzahl  unseres  Anlasses  aus.  Wir  werden  in  Zukunft  selbstverständlich  versuchen,  solche  Kollisionen   wenn  immer  möglich  zu

venneiden.
Musikalisch umrahmt wurde der Abend mit für die Wurlitzer-Orgel zeit­typischen Werken durch Bernhard Ruchti, unterstützt durch mich am Schlagzeug.

Bereits aber steht der nächste Anlass an:  Ich freue mich sehr, Sie zu unserem zweiten Abend der 
B-A-C-H-Trilogie ins Linsebühl einzuladen:

Dienstag, 12. Juni 2018, 19.30 Uhr, Kirche Linsebühl, St.Gallen
Max Reger: Phantasie und Fuge über B-A-C-H

Bernhard Ruchti wird uns in das hochspannende Werk einführen und dieses danach zum Erklingen bringen. Seine vorbereitenden Ausfüh­rungen finden Sie in dieser Ausgabe des Bulletins.
Am 1. September werden wir auf unsere diesjährige Orgelfahrt ins Bündner Oberland gehen. Das Programm und die Einladung finden Sie ebenfalls in diesem Bulletin.
Ich wünsche Ihnen einen schönen Frühsommer und freue mich darauf. Sie am 12. Juni beim BACH-Abend in der Unsebühl-Kirche zu sehen!

Freundliche Grüsse
Hans Peter Völkle


Max Reger als Orgelkomponist

Eine Einführung 
von Bernhard Ruchti

Max Reger (1873-1916) ist eine singuläre Gestalt in der Geschichte der Orgelmusik. Kein anderer Komponist hat sich um die Wende vom 19. ins 20.Jahrhundert so intensiv mit dem Instrument Orgel auseinandergesetzt und ein derart umfangreiches und qualitativ hochstehendes CEuvre hinter­lassen. Ebenso einzigartig in der damaligen Zeit sind seine Beschäftigung mit dem reformierten Choral und seine Berücksichtigung der praktischen Aspekte des Orgelspiels in der sonntäglichen Liturgie. Neben grossen und technisch höchste Anforderungen stellenden Werken gibt es zahlreiche namentlich choralgebundene Stücke, die sehr einfach und auch für Laienorganisllnnen problemlos erreichbar sind.

Endphase der "klassischen Tonalität"
Was macht die Faszination von  Regers  Musik  aus, einmal von  der  schie­ren Menge seines Schaffens abgesehen? Musikgeschichtlich befinden wir uns in der Endphase dessen, was man als "klassische Tonalität" be­zeichnen kann. Musiker wie Gustav Mahler oder Richard Strauss schaffen zwar noch innerhalb des klassisch-harmonischen Systems , reizen dieses jedoch bis an die Grenze aus. Komponisten wie Arnold Schönberg gehen noch einen Schritt weiter und geben um das Jahr 1906 herum die Tonali­tät ganz auf; atonale Musik entsteht, und nur wenige Jahre später schockieren zwölftönige Kompositionen die traditionelle  musikalische Welt.

Innerhalb dieses vibrierenden musikalischen Klimas verfolgt Reger einen "chromatischen"  Weg. Seine Musik ist ein beständiges, chromatische Verbindungen suchendes Modulieren innerhalb der tonalen Harmonik. Die Möglichkeiten, einzelne Töne harmonisch zu färben, scheinen beinahe unbegrenzt. Kaum ist eine Harmonie etabliert,führt eine melodische Fort­schreitung  bereits wieder zum  nächsten  harmonischen  Umfeld. Dieses
"Mäandrieren" der Harmonik ist von einem formalen Standpunkt aus gesehen das, was bei vielen Hörerinnen und Hörern den Eindruck er­weckt , Regers Musik sei "schwierig".


In der Tat ist es oft nicht einfach, den Überblick zu bewahren und dem Verlauf eines Werkes zu folgen. Möglicherweise ist dies sogar mit ein Grund, warum  Reger, der  harmonisch  und satztechnisch  klar  an  das
Schaffen des späten Johannes Brahms anknüpft, eine ausgeprägte Affinität für barocke Gattungen wie           
Choralvorspiel, Choralfantasie, Passacaglia und Fuge und entwickelt hat. In all diesen Gattungen gibt es starke formbildende Elemente wie die Choralmelodie, das Passacaglien­thema, das Fugenthema - Elemente, die Orientierung schaffen und der zuhörenden Person eine Hilfe geben, sich in den ständig wechselnden Farben zurechtzufinden.

Dazu kommt ein weiterer, wichtiger Aspektin Regers Orgelmusik. Durch die beständige, oftmals in den kleinsten rhythmischen Werten statt­ findende Modulation ist die harmonische Dichte in Regers Werken enorm. In vielen seiner Werke ist die Farbigkeit buchstäblich jeder Sechzehntel­ note entscheidend. Wo aber die Farben derart reichhaltig sind, wollen genau diese Farben auch gehört und erlebt werden. Man kann sogar so weit gehen zu sagen, dass es diese kleinen chromatischen Modulationen sind, die  die Essenz der Regerschen Orgelmusik ausmachen und an denen sich demzufolge auch die Interpretation orientieren muss. Dies hat Auswirkungen auf die Phrasierung und die Artikulation, aber in erster Linie hat es Auswirkungen auf das Tempo.

"net zu schnell"
Jüngere Forschungen von Marcel Punt' haben klar ergeben, dass für einen Grossteil der Werke von Max Reger die Metronomzahlen als Doppelschlag gemeint sind und im konkreten Gebrauch faktisch halbiert werden müssen. Dies stimmt mit Äusserungen von Reger selbst sowie von Personen aus seinem Umfeld überein. "Junger Mann, spielens meine Sachen halt net zu schnell; spielens alles recht ruhig, auch wanns schneller dasteht", so sagte Max Reger 1910 zu Gerhard Bunk. Und Regers Freund Karl Straube, einer der berühmtesten Organisten seiner Zeit, bemerkt 1944: "Die Anwendung von FD-Zug-Geschwindigkeiten im Zeitmass oder Hochdruck von Sirenengeheul ist ein Verbrechen gegen seine Kunst." Diesem Umstand tragen viele Aufführungen Regerscher Orgelmusik nicht genügend Rechnung, mit dem Ergebnis,  dass die harmonischen Fortschreitungen im Kleinen nicht mehr mitvollzogen werden können und damit der  Reiz und der Reichtum der Komposition zugunsten einer unüberschaubaren Klangmasse verloren geht.
Sind aber die Details hörbar und kann man als Zuhörerin dem harmoni­schen Verlauf folgen, so tritt etwas Eindrucksvolles ein: Man wird wie trunken von der Musik. Die überfülle der Stimmen und Harmonien wird zu einem Fest für die musikalischen Sinne. Dies ist bereits der Fall bei vielen der einfacheren Stücke beispielsweise aus den Opp. 67 oder 79b,und es ist erst recht der Fall bei einem Stück wie der monumentalen Phantasie und Fuge über B-A-C-H.
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⑴Marcel Punt: T   Straube Code . Oecip   ng the Metronome Marl!:s in Max Reger's Organ Music. First edition published 2008 by Sibelius Academy , Helsinki. Revised online edition published 2015 by Marcel Punt Muslc.


Max Reger. Phantasie und Fuge über B-A-C-H op.46, Handschrift für Kart Straube.
                                                                                                                          Foto: Max-Reger-Institut

Monumentales Werk
Regers Phantasie und Fuge über B-A-C-H steht  im Mittelpunkt des An­lasses am 12. Juni 2018. Das Stück entstand 1900 und zählt zu den ein­drucksvollsten Schöpfungen des Komponisten. Die Tonfolge B-A-C-H, die schon Robert Schumann und Franz Liszt zu musikalischen Hommagen an den Thomaskantor angeregt hat, ist auch für Reger Inspiration zu einem Werk monumentaler Grösse. Besticht die Phantasie durch prägnante Harmonik und gross  angelegte  sinfonische Flächen mit steter  Präsenz des Hauptthemas. ist die Fuge ein beeindruckendes Beispiel von Regers Kunst, barocke Kontrapunktik mit spätromantischer Expressivität zu ver­binden. Das Stück beginnt in extrem langsamem Tempo und arbeitet sich durch unmerkliches Accelerando, verbunden mit stetem  Crescendo, zu einem gewaltigen Finale voran. Mit imposanten architektonischen Mitteln wird der Zusammenhalt der Form durch markante Themeneinsätze erreicht.
Am 12. Juni werden der Aufbau der Phantasie und die kunstvolle Faktur der Fuge genauer unter die Lupe genommen, und es wird ein besonderes Licht auf die Geheimnisse von Regers Harmonik geworfen werden. Und natürlich wird das ganze Stück am Ende auf der herrlichen Orgel in der Linsebühlkirche erklingen; eine Orgel, die für Regers Musik wie ge­schaffen ist und sowohl die sinfonische Fülle wie auch die nötige Trans­ parenz zur Verfügung stellt.
Ein Anlass, der keinerlei Vorkenntnisse erfordert, und der hoffentlich dazu beitragen wird, Ohren und Herzen für die beeindruckende Kompositions­ kunst Max Regers zu öffnen!

Dienstag, 12. Juni, 19.30 Uhr, Kirche Linsebühl, St.Gallen


Kurzbiographie Max Regers
Neben Richard Strauss, Gustav Mahler, Hugo Wolf oder Arnold Schön­ berg sind die meisten deutschen Komponisten um 1900 lange Zeit star1< in Vergessenheit geraten. Max Reger (1873-1916) ist einer von  ihnen andere sind Hans Pfitzner,Ferruccio Busoni, Ermanno Wolf-Ferrari, Franz Schmidt oder Alexander von Zemlinsky.

Max Reger (1909)                                       Foto:picture-alliance/dpa

Geboren in Brand in der Oberpfalz, wächst er in der nahe gelegenen Stadt Weiden auf und erhält schon früh musikalische Unterweisung. Nach Studien bei dem berühmten Musiktheoretiker Hugo Riemann erleidet Reger in Folge seiner Militärdienstzeit und beruflicher Rückschläge einen nervlichen und physischen Zusammenbruch und kehrt 1898 ins Eltern­haus zurück. Dort steigert sich Regers Produktivität enorm, bis er 1901 seine Familie überreden kann, nach München zu übersiedeln, wo er mehr musikalische Anregungen erhofft als in der Oberpfalz.
1902 heiratet Reger, selbst Katholik, Elsa von Bercken, eine geschiedene Protestantin, was seine Exkommunikation zur Folge hat. Kompositorisch wie als konzertierender Pianist ist Reger äusserst produktiv. 1905 wird er als Nachfolger Rheinbergers an die Akademie der Tonkunst berufen, legt sein Amt aber bereits ein Jahr später wegen Unstimmigkeiten mit dem überwiegend konservativen Lehrkörper nieder.


Während eines Konzertaufenthalts in Karlsruhe empfängt Reger 1907 seine Berufung zum Universitätsmusikdirektor und Professor am Königlichen Konservatorium in Leipzig; Konzert- und Kompositionstätigkeit behält er bei. Während  er schon 1908 den Posten des Universitäts­musikdirektors wieder aufgibt, übernimmt er 1911 stattdessen den Posten des Hofkapellmeisters in Meiningen, den er bis Anfang 1914 innehat. Die intensive Kompositions-· und Konzertiertätigkeit führt er auch fort, nach· dem er 1915 nach Jena gezogen ist, von wo aus er einmal wöchentlich für seine Lehrveranstaltungen nach Leipzig fährt. Auf einer dieser Reisen erliegt Reger im Mai 1916 einem Herzversagen.

Andauernde Berühmtheit erlangte  Reger vor  allem durch seine Orgel­werke,  obwohl er auch in den Bereichen der  Kammermusik, der  Lieder, der Chor- und der Orchesterkomposition Bedeutendes geleistet hat.
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 ⑵Zitiert nach: Webseite des Max Reger-Instituts in Karlsruhe (www.max-reger institut.de)

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Redaktionskommission : Eva Bachmann, Bernhard Ruchti, Hans Peter Völkle

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